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Menschen in der Schule

UBUS-Fachkraft: Ganz nah dran

Lena Künne ist UBUS-Fachkraft an der Heinrich-Heine-Schule in Hanau. Ihr sozialpädagogischer Fokus: gesunden Unterricht fördern. Hier erzählt sie von ihrer herausfordernden wie erfüllenden Arbeit.

Autor/in: Isabel Ehrlich (Redaktion Raufeld)

Datum: 28.10.2026

UBUS-Fachkraft: Ganz nah dran
Lena Künne mit den Schülerinnen Iris (vorne im Bild) und Mayla. © Samira Schulz

Wenn Lena Künne mal nicht zu den Kindern kommt, kommen die Kinder zu ihr – so wie Mayla und Iris, die ihre Pausen gerne bei Künne im „UBUS“-Raum verbringen. Hier können sie abseits des Trubels spielen, basteln, lesen oder bei Bedarf auch mit Lena Künne und deren Kollegin über Sorgen oder Probleme sprechen. Das ist aber nur ein kleiner Teil der Arbeit von UBUS-Fachkraft Lena Künne, die an der Heinrich-Heine-Schule in Hanau tätig ist. Denn sie begleitet sowohl die Kinder als auch die Lehrkräfte der Grundschule praktisch den gesamten Schulalltag über – vor allem aber im Unterricht.

Was macht eine UBUS-Fachkraft – und was ist der Unterschied zur Schulsozialarbeit?

 „Ich bin einfach immer da“, fasst Lena Künne ihre Arbeit zusammen. Seit drei Jahren ist die Sozialpädagogin als „UBUS“ an der Hanauer Grundschule angestellt – eine Abkürzung, die für sie längst geläufig ist. UBUS steht für „Unterrichtsbegleitende Unterstützung durch sozialpädagogische Fachkräfte“. Das Konzept wird seit einigen Jahren an Schulen in Hessen umgesetzt.

Der Name markiert auch den Unterschied zur klassischen Schulsozialarbeit: „Ich biete zwar auch Elterngespräche, AGs oder Projektarbeit an“, sagt Künne. Ihr Fokus liegt aber auf der Unterrichtsbegleitung: „Wenn sich ein Kind zum Beispiel mit dem Lernen schwertut, dann gehe ich mit ins Klassenzimmer und schaue, was das Kind gerade braucht.“ Das kann Unterstützung bei den Aufgaben sein, ein Gespräch oder eine Auszeit. Damit entlastet Künne die Kinder und die Lehrkräfte gleichermaßen.

Oft sind es die Lehrkräfte, die proaktiv um Support bitten. Etwa, wenn ihnen im Verhalten eines Kindes etwas aufgefallen ist oder es Probleme gibt, den Unterricht nach Plan zu gestalten. Dann bekommt die UBUS-Fachkraft meist eine Nachricht über das schuleigene Tool mit der Bitte, in einer Klasse zu unterstützen. Dann gilt es, auch die Probleme hinter den Unterrichtsschwierigkeiten zu erkennen. Was belastet das Kind? Hat es nur einen schlechten Tag, ist es überfordert oder steckt etwas anderes dahinter? Auch bei der Frage, ob bei schwerwiegenden Problemen das Jugendamt eingeschaltet werden muss, unterstützt Künne die Lehrkräfte. „Was würdest du tun, wie ist hier die Vorgehensweise? Was müssen wir melden? Sprechen wir mit den Eltern?“ Fragen wie diese sind es, die Künne regelmäßig von den Lehrkräften gestellt bekommt.

Lena Künne mit den Schülerinnen Mayla und Iris am Basteltisch.
© Samira Schulz

Wie ist der Tagesablauf einer UBUS-Fachkraft?

Es gibt zwar die Idee eines strukturierten Tagesablaufes einer UBUS-Fachkraft – im Falle von Lena Künne und ihrer Kollegin regelt ein Stundenplan, wann sie welche Klasse unterstützten und welche Projekte außerhalb des Unterrichts anstehen. Geplant sind täglich sechs Stunden feste Unterrichtsbegleitung. Eigentlich, denn in der Praxis sei jeder Tag eine kleine Wundertüte. „Es gibt Momente, da müssen wir sagen, es geht gerade einfach nicht, weil ich schon drei Kinder mit akuten Themen bei mir sitzen habe.“

Eine feste Routine für Künne, aber auch die Kinder, ist das tägliche Morgenritual. Wenn morgens um 8 Uhr die Türen geöffnet werden und die Schülerinnen und Schüler ins Gebäude strömen, wartet bereits Lena Künne auf sie: „Ich begrüße jeden Morgen alle Kinder an der Eingangstür. So bekomme ich bereits den ersten Eindruck, wie es ihnen geht, ob ein Kind weint oder eine Umarmung braucht. Und dann überlegen wir, was wir tun können, damit das Kind die Chance auf einen guten Tag hat.“

Im Laufe des Tages sorgt auch das Prinzip der offenen Tür, dass die beiden UBUS-Fachkräfte an der Heinrich-Heine-Schule verfolgen, für einen nie ganz planbaren Tag. Wie eingangs erwähnt nutzen auch viele Kinder die Möglichkeit, spontan Rat oder Ablenkung bei Künne und ihrer Kollegin zu suchen. „Anfangs hatte ich in den Pausen teilweise 50 Kinder vor meinem Raum stehen, das mussten wir dann begrenzen. Jetzt dürfen aus jeder Klasse zwei Kinder in den Pausen kommen“, sagt Künne. Manche möchten nur spielen oder sich am Boxsack austoben, andere reden.

Eine Hand greift ein Kinderbuch in einem Regal.
© Samira Schulz

Am Nachmittag gibt es dann wieder einen festen Programmpunkt für Künne: Die AG „Starke Kinder“. In einer Kleingruppe wird hinterfragt, was ein starkes Kind ausmacht und wie sich beispielsweise Konflikte mit Worten statt mit Muskeln lösen lassen. Es gibt also klare Aufgaben und Strukturen, die Lena Künne durch den Tag begleiten, „aber ein starres Konzept gibt die Arbeit hier an der Schule einfach nicht.“

Wie wird der Bedarf von UBUS-Fachkräften ermittelt?

Ob eine Schule UBUS-Fachkräfte anstellen darf, hängt laut Künne unter anderem vom Sozialindex der Schule ab (s. Infokasten unten). „Schön wäre es, wenn jede Schule mit UBUS arbeiten könnte, aber das ist nicht die Realität. Manche Schulen bekommen auch nur eine halbe Stelle zugewiesen“, sagt Künne. Da an der Heinrich-Heine Schule viele Kinder aus sozial schwachen Familien kommen oder Sprachbarrieren haben, sei zunächst eine volle Stelle über das Land Hessen zugewiesen worden. Der Bedarf war riesig, erinnert sich Künne. „Manche Lehrkräfte sagten mir, man müsste mich eigentlich klonen. Ich sei wie ein Feuerlöscher, der immer da ist, wenn es brennt.“

Zwar wurde Lena Künne nicht geklont, aber der Wunsch nach mehr Unterstützung dennoch erfüllt: Über das Startchancenprogramm investierte die Schule das Fördergeld in eine zweite UBUS-Stelle. Nun sind immerhin zwei Fachkräfte für die rund 300 Kinder zuständig, was Lena Künne sehr begrüßt.

Wie wird man UBUS-Fachkraft?

Lena Künne kam über einige Zwischenstationen zu ihrer UBUS-Tätigkeit an der Heinrich-Heine-Schule. Studiert hat sie Soziale Arbeit, anschließend hat sie ihr Anerkennungsjahr, das es in Hessen für die staatliche Anerkennung braucht, im Betreuten Wohnen absolviert.

Es folgte eine Anstellung in der Familienhilfe. „Ich habe bereits im Betreuten Wohnen gemerkt, dass mir das Thema Entwicklungspotenzial sehr wichtig ist – das hat mir dort teilweise gefehlt“, sagt Künne. „Bei Kindern ist einfach immer Entwicklung da, da passiert in einem Jahr so viel mehr als bei einer erwachsenen Person. Man kann hier jeden Tag einen Impuls reingeben, der dann auch etwas bewirkt.“ Deswegen fiel 2023 die Entscheidung, dass sie künftig mit Kindern arbeiten will.

Gut zu wissen: Fakten zu UBUS-Fachkräften
  • Viele der UBUS-Fachkräfte an Schulen in Hessen haben einen Bachelor- bzw. Masterabschluss oder ein Diplom als Sozialarbeiter/in oder Sozialpädagog/in; auch Kindheitspädagog/innen, Erzieher/innen oder Personen mit gleichwertigen Abschlüssen können als UBUS angestellt werden
  • Zu den Hauptaufgaben gehören die Unterstützung von Lehrkräften und Lehrkräfteteams, sozialpädagogische Einzel- und Gruppenarbeit sowie offene Angebote für Schülerinnen und Schüler und die Beratung von Kindern, Lehrkräften und Eltern
  • UBUS-Fachkräfte begleiten zwar den Unterricht, selbst unterrichten sie aber grundsätzlich nicht
  • Welche Schulen UBUS-Fachkräfte anstellen können und für wie viele Stunden, darüber entscheiden der Sozialindex (z.B. Bedarf an inklusiver Beschulung) und die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in der Schule
  • Teilweise arbeiten einzelne UBUS-Fachkräfte an mehreren Schulen
  • Klicktipp: Weitere Infos dazu liefert die Webseite des Hessischen Ministeriums für Kultus, Bildung und Chancen

Welche Herausforderungen bringt der Job mit sich – und was hält Künne resilient und gesund?

Diese Bedarfe und die persönlichen Geschichten der Kinder, mit denen Künne und ihre Kollegin sich täglich auseinandersetzen, können durchaus herausfordernd sein. „Viele Kinder bringen schon ein großes Päckchen an Lebenserfahrung mit, manche sind zum Beispiel geflüchtet und traumatisiert. Bei anderen gibt es einfach kein behütetes Zuhause, manche haben Gewalterfahrungen gemacht“, sagt Künne. „Damit man sie überhaupt zum Lernen bekommen kann, brauchen sie erstmal ein offenes Ohr, was sie gerade beschäftigt.“

Viele Kinder seien nicht in die Kita gegangen, was zu Reizüberflutung in der Schule führen und auch Sprachbarrieren verstärken kann – das wiederum befördert Konflikte. Persönliche Schicksale und Sprachbarrieren seien auch in manchen Elterngespräche eine Herausforderung, so Künne: „Natürlich ist es nicht so, dass wir für jedes Gespräch eine Dolmetscherin bekommen, dafür fehlt das Geld. Das ist dann schade, wenn man das Gefühl hat, dass man so viel mitgeben möchte, aber vielleicht gar nicht alles ankommt.“

Grundsätzlich aber erfüllt Lena Künne die Arbeit mit den Kindern und sie begeistert sich für ihren Job als UBUS-Fachkraft, das wird im Gespräch schnell deutlich. Das liegt aber nicht nur daran, dass sie so gerne mit Kindern arbeitet. Sie weiß auch, worauf sie achten muss, wenn der Stresspegel hoch und die emotionalen Themen belastend sind. „Man muss eine gute Balance für sich haben. Mein System besteht aus Säulen, es gibt die Arbeit und das Privatleben“, sagt Künne. „Wenn es bei der Säule Arbeit mal knirscht, brauche ich ein stabiles Umfeld. Auch mein Hund ist ein Ausgleich, mit dem gehe ich nach der Arbeit erstmal eine große Runde im Wald.“

Zudem achtet sie darauf, wirklich Pause zu machen und dann auch die schulische Kommunikation zu pausieren. „Die Schulcloud, über die mich auch die Eltern erreichen können, geht bei mir morgens um sieben Uhr an und abends um 19 Uhr aus. Und dann bin ich privat.“

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