Hausmeister an der Schule: Einer für alle
Egon Heyn war bis zur Rente Hausmeister an der Mittelschule Sonthofen. Hier erzählt er von seinem fordernden Job, der ihn aber auch sehr erfüllte.
Autor/in: Julia Frese (Raufeld Medien)
Datum: 14.08.2026
Morgens verschaffte sich Egon Heyn erstmal einen Überblick: Bei einem Rundgang durchs Schulgebäude schaute er, ob alle Brandschutztüren und Fluchtwege frei waren, ob Lampen und Notbeleuchtung funktionierten. Ob es irgendwo sichtbare Schäden durch Vandalismus gab oder Müll nicht in den dafür vorgesehenen Eimern gelandet war. Im Winter musste er manchmal schon um 4 Uhr morgens seinen Dienst antreten – Schnee und Eis wegräumen, damit später alle rutschfrei in ihre Klassenräume kommen. „Als Hausmeister ist man eigentlich rund um die Uhr im Einsatz“, sagt er.
Mal Höflichkeit, mal fehlende Rücksichtnahme
Am liebsten seien ihm die Aufgaben im Freien gewesen. Wenn das Wetter trocken genug war, widmete er sich dem Rasen mähen, Zäune reparieren und Bäume schneiden. Mit seinem Aufsitzmäher mähte er vormittags die Flächen der vorderen Schulseite, nachmittags die hinteren Flächen – immer mit Rücksicht auf den Unterricht, den er nicht mit dem Lärm stören wollte.
Die gleiche Rücksichtnahme kam nicht immer von den Schülerinnen und Schülern zurück, sagt Heyn: „Da wurden Toiletten absichtlich verschmutzt, mal ein Brandmelder fälschlicherweise betätigt, es gab beschmierte Wände.“ Aber auch an wertschätzende und höfliche Jugendliche erinnert er sich: „Manche hielten einem die Tür auf oder halfen beim Tragen von Möbeln, grüßten von sich aus freundlich – das gab es durchaus auch.“ Wenn er jemanden auf frischer Tat ertappte, habe er auf höfliche Ansprache, statt auf Schimpfen gesetzt, sagt Heyn. Oft habe schon die Frage „Machst du das daheim auch?“ ausgereicht, um Übeltäterinnen und Übeltäter zu stoppen.

Nettes soziales Miteinander im Kollegium
Schön fand Egon Heyn auch den sozialen Austausch mit anderen Schulbediensteten: Von der Putzkraft über die Lehrkräfte bis zur Mensamitarbeiterin habe er zu allen ein freundliches Verhältnis gehabt. In Arbeitspausen saß er oft im Schülercafé und unterhielt sich mit den Mensa-Bediensteten bei einer frischgebackenen Waffel und einem heißen Kaffee. Mit den Putzkräften stand er darüber hinaus auch im Arbeitsalltag oft im engen Austausch – denn Vandalismus im Gebäude fiel ihnen zuweilen als erstes auf.
Auch mit den Lehrkräften stand der Hausmeister immer wieder in engem Austausch – etwa, wenn größere Renovierungen oder Umbauten im Gebäude nötig waren. So auch beim Einbau neuer Lüftungsanlagen vor ein paar Jahren, der sich über sechs Monate erstreckte. „Das war als Bauprojekt wirklich eine Herausforderung für alle Seiten“, erinnert sich Heyn. Der Hausmeister musste das Bau-Team genau instruieren, wo sich sämtliche Strom- und Heizungsleitungen im Haus befinden. Ganze Klassenräume mussten von Tischen, Stühlen und Lehrmaterial leergeräumt werden.
Zudem mussten die lärmintensiven Bohrarbeiten für die 80 Wandlöcher so geplant werden, dass sie in der unterrichtsfreien Sommerferienzeit abgeschlossen sein würden. Darüber hinaus waren während der Bauphase immer wieder Raumwechsel für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler erforderlich.

Statt Hausmeister in der Schule: Freizeit auf der Viehweide
So gern er die abwechslungsreichen Herausforderungen in seinem Beruf gemeistert und das Teamgefühl geschätzt hat – seit April dieses Jahres genießt der 67-Jährige es auch, in seiner Rente mehr Zeit für andere Tätigkeiten zu haben. Er arbeitet nun halbtags für den Fahrdienst eines sozialen Trägers. Auch das ist für ihn eine erfüllende Arbeit, bei der er anderen Menschen begegnen und helfen kann. Ein Vorteil sind die planbaren Arbeitszeiten. Die Zeit nach Feierabend verbringt Egon Heyn weiterhin gern unter freiem Himmel: Er hat sich eine Alpe im nahen Oberallgäuer Gebirge gemietet – und repariert jetzt Zäune von Viehweiden.
Zum Abschied gab es für Egon Heyn im April ein kleines Fest und viele Kolleginnen und Kollegen überreichten noch einmal persönliche Geschenke. Seinem Nachfolger steht er nun gern für Fragen zur Verfügung, sagt Egon Heyn: „Der kann mich jederzeit anrufen.“ Ein bisschen Rund-um-die Uhr-Mentalität bleibt eben auch bei einem Hausmeister im Ruhestand.
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