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Digital lernen, digital lehren

An der Beruflichen Schule ITECH wird die Digitalisierung von einem Leitungsteam gesteuert. Das gibt allerdings ganz bewusst Verantwortung ans Kollegium weiter – denn digitale Schulentwicklung braucht Partizipation.

Autor/in: Isabel Ehrlich (Raufeld Medien)

Datum: 26.05.2026

Digital lernen, digital lehren
© Vera Loitzsch
  • Digitalisierung an Schulen gelingt nur mit ausreichend Expertise
  • Die Lehrkräfte sollten eigene Ideen für digitale Neuerungen einbringen und in den Prozess eingebunden werden – das steigert das Verständnis und die Akzeptanz
  • Die Schülerschaft braucht keine Verbote für die Nutzung sozialer Medien und digitaler Tools, sondern Medienkompetenz

Gleich zwei Abteilungsleiter, die sich mit Schulentwicklung und digitaler Transformation beschäftigten – an einer Berufsschule mit Schwerpunkt Fachinformatik: Das klingt nach optimalen Voraussetzungen, um digitale Projekte umzusetzen. So bestätigt es auch Holger Schmidt, einer der besagten Abteilungsleiter an der Beruflichen Schule ITECH Elbinsel Wilhelmsburg. Aber: „Das allein bringt die Digitalisierung nicht in die Unterrichtsdidaktik. Ein Gamechanger waren unsere Kolleginnen und Kollegen, die sich verpflichtet haben, den Unterricht gemeinsam zu entwickeln.“

Lehrkraft und Abteilungsleiter Holger Schmidt
Holger Schmidt, Lehrkraft und Abteilungsleiter für Schulentwicklung und institutionelle Kooperation an der ITECH. © Vera Loitzsch

Digitale Expertise trifft auf agile Lehr- und Lernmethoden

An der Hamburger Berufsschule ITECH unterrichten rund 80 Lehrkräfte mehr als 2.000 Schülerinnen und Schüler. Die Schulleitung wird von einem siebenköpfigen Leitungsteam unterstützt – darunter Holger Schmidt, zuständig für Schulentwicklung und institutionelle Kooperation, und Mario Reich, der die Organisationsentwicklung und Transformation leitet. Beide Stellen wurden in den letzten Jahren neu geschaffen.

Mit Reich kam noch mehr digitale Expertise an die Schule, um das Konzept „DigiTECH“ voranzutreiben. Es fußt auf mehreren Säulen, von der digitalen Infrastruktur über ein Endgerätnutzungskonzept bis zu digitalen Kommunikationstools. Bei all ihren Projekten setzt die ITECH auf individualisiertes Lernen und agile Lehr- und Lernmethoden. Und das so erfolgreich, dass sie 2023 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde.

Das von der Jury gelobte schulinterne Motto „Verantwortung wächst auf Vertrauen“ zeigt sich auch bei den digitalen Entwicklungsprojekten. Auf die Frage hin, in welcher Projektphase das Kollegium mit ins Boot geholt werde, betont Holger Schmidt: „Eigentlich läuft es genau andersherum, das Kollegium holt uns ins Boot. In der Regel entwickeln die Lehrkräfte Projektideen, die wir lediglich begleiten.“ Das bedeute aber nicht, dass es keine „Top-Down“-Entscheidungen gebe, ergänzt Mario Reich. „Die große Kunst besteht darin, zum richtigen Zeitpunkt für Partizipation zu sorgen.“

Porträt von Abteilungsleiter Mario Reich.

„Die große Kunst besteht darin, zum richtigen Zeitpunkt für Partizipation zu sorgen.“

Mario Reich, Lehrkraft und Abteilungsleiter für Organisationsentwicklung und Transformation an der ITECH. © Vera Loitzsch

Mit manchen Themen muss sich das Leitungsteam proaktiv beschäftigten – Beispiel Künstliche Intelligenz. „Wir haben gemerkt, dass wir dringend eine KI-Strategie brauchen“, sagt Reich. „Also haben wir einen Prozess aufgesetzt.“ Die identifizierten KI-Handlungsfelder wurden im Lehrerzimmer ausgehängt und die Lehrkräfte sammelten dazu eigene Ideen. Darüber tauschten sie sich dann mit Schmidt und Reich aus, die Ergebnisse flossen in die Strategie ein.

Digitale Schulentwicklung braucht einheitliche Standards

Zurück zum erwähnten Gamechanger, der gemeinsamen Unterrichtsentwicklung: Die ITECH nutzt ein Lernmanagementsystem, auf dem alle Unterrichtsmaterialien digital gebündelt werden sollten. Viele Kolleginnen und Kollegen griffen aber weiterhin auf ihr altes, analoges Lieblingsmaterial zurück. Auch hier machte Partizipation den Unterschied: Es wurden Arbeitsgruppen gegründet, die das gesamte Unterrichtsmaterial auf Praxistauglichkeit überprüften und weiterentwickelten. „Ganz wichtig war, dass sich die Teams ihr Material gegenseitig vorstellen“, sagt Schmidt. „Dann haben die Kolleginnen und Kollegen alles so lange miteinander durchgespielt, bis alle mit dem digitalen Material und der Plattform arbeiten konnten. Das war ein riesiges Engagement der Lehrkräfte, das wir zeitlich gar nicht vergüten können.“

Umso mehr brauchte es Motivation für dieses Projekt. Entlastung war eines der Ziele – allerdings eher mittelfristig: „Zunächst wurde es mehr Arbeit, und dann noch mal mehr“, erinnert sich Schmidt. Nach etwa fünf Jahren sei die Entlastung bei der Unterrichtsplanung dann deutlich spürbar gewesen. „Das konnten wir auch am Feedback des Kollegiums ablesen.“

Medienkompetenz schaffen und Schülerinnen und Schüler sensibilisieren

Und wie wird die Schülerschaft bei der digitalen Schulentwicklung mitgenommen? Die meisten haben ihr eigenes Tablet oder Notebook, für alle anderen gibt es Leihgeräte. „Wir müssen einen sicheren Raum für die Nutzung digitaler Formate schaffen“, sagt Mario Reich. „Wir haben Tools, die wir intern anwenden. Da uns aber bewusst ist, dass die Jugendlichen privat andere Tools nutzen, die vielleicht nicht mit der Datenschutz-Grundverordnung konform sind, müssen wir darüber in den Austausch gehen.“ Zudem ist der Input der Schülerschaft wertvoll, um sie im Umgang mit digitalen Medien fit zu machen und auch ihre Erfahrungen einzubinden.

Ein Schüler trägt eine VR-Brille.
An der beruflichen Schule ITECH können auch digitale Tools wie VR-Brillen ausprobiert werden. © Vera Loitzsch

Mögliche Risiken von Digitalisierung beachten

Bei allen digitalen Neuerungen muss das Leitungsteam auch potenzielle Risiken im Blick haben, Cybermobbing etwa oder digitalen Stress. Verbote seien laut Mario Reich aber der falsche Weg: „Unsere Aufgabe ist es vielmehr, Medienkompetenz zu vermitteln und für diese Risiken zu sensibilisieren.“

Auch die Gesundheit des Kollegiums gilt es zu schützen. An der ITECH hilft besagte Partizipation enorm, doch so umfangreiche Projekte können auch belasten. Risiken müssen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermittelt und Maßnahmen abgeleitet werden – angefangen bei der Organisationsentwicklung und passender digitaler Infrastruktur bis hin zu personellen Maßnahmen. Dazu gehören an der ITECH Mental-Health-Workshops und regelmäßige Feedbackgespräche. „Wir sind jederzeit ansprechbar, unsere Bürotüren sind fast immer offen“, so Reich. Außerdem muss die sichere Nutzung technischer Geräte gewährleistet sein (s. Klicktipps unten).

„Bei der Digitalisierung an Schulen ist es wichtig, Vorbild zu sein“

„Bei der Digitalisierung an Schulen ist es wichtig, Vorbild zu sein“

Digitalisierung

Jede Schule muss ihr eigenes Digitalkonzept entwickeln

Zentral sind auch regelmäßige Fortbildungen. Lehrkräfte, die Projektgruppen leiten wollen, werden entsprechend geschult. Auch die Leitungskräfte lassen sich regelmäßig weiterbilden. Für manche Aufgaben ist aber mehr als eine Fortbildung gefragt: „Um die IT-Infrastruktur zu stemmen, unterstützen die Länder ihre Schulen verlässlich. In Einzelfällen ist es sogar möglich, Schulen mit externen Dienstleistern zusammenzubringen“, sagt Holger Schmidt.

Klar ist: Nicht jede Schule hat beim Thema Digitalisierung dieselben Grundvoraussetzungen. Das ist auch in Ordnung, findet Schmidt: „Das Ziel muss für jede Schule sein, entsprechend ihrer Schülerschaft und ihrem Kollegium einen Digitalisierungsgrad zu entwickeln, der lernförderlich ist.“ Umso mehr lohnt es sich, den Prozess Schulentwicklung durchdacht anzugehen, um die individuell besten Lösungen zu finden.

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