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Den Prozess Schulentwicklung durchdacht gestalten

Wie kann Schulentwicklung eine gesunde Lehr- und Lernumgebung fördern – und dadurch die Bildungsqualität nachhaltig verbessern? Entscheidend ist, die richtigen Fragen zu stellen und das Team zu motivieren. Impulse für einen gelingenden Prozess.

Autor/in: Isabel Ehrlich (Raufeld Medien)

Datum: 27.02.2026

Den Prozess Schulentwicklung durchdacht gestalten
© Raufeld
Das Wichtigste in Kürze
  • Schulentwicklung braucht einen klaren Prozess und klare Verantwortlichkeiten
  • Sinnvoll ist ein spiralförmiger Prozess in drei Phasen, um Entwicklungsprojekte zu starten und umzusetzen
  • Gesundheitsförderung ist ein elementarer Bestandteil von Schulentwicklung
  • Gegen Widerstände aus dem Kollegium helfen offene Kommunikation und Partizipation seitens der Schulleitung oder der Steuergruppe

Ein Gymnasium führt neue Lernmethoden ein. Eine Grundschule stellt auf Ganztag um. Eine Gruppe Lehrkräfte und ihre Schulleitung möchten die interne Kommunikation verbessern. Drei unterschiedliche Vorgänge, die aber allesamt zur Schulentwicklung zählen.

Was ist Schulentwicklung?

Schulentwicklung definiert einen dynamischen Prozess, der die Organisation Schule nachhaltig und tiefgreifend verbessern soll. Ganz wichtig dabei: „Schulentwicklung und Gesundheitsförderung hängen untrennbar zusammen. Es sind zwei Seiten einer Medaille“, sagt Lehrerbildnerin Dr. Birgit Nieskens. „Studien belegen: Die Gesundheit der Lehrkräfte wirkt sich maßgeblich auf die Unterrichtsqualität und damit auf den Lern- und Bildungserfolg der Schülerschaft aus.“

Wie ist der Prozess Schulentwicklung aufgebaut?

Schulentwicklung gliedert sich in drei Bereiche: Organisationsentwicklung, Unterrichtsentwicklung und Personalentwicklung. Oft sind die Inhalte miteinander verflochten. Um bei den eingangs genannten Beispielen zu bleiben: Eine gute interne Kommunikation entscheidet mit darüber, ob das Großprojekt Ganztag oder eine neue Unterrichtsmethode erfolgreich eingeführt werden.

Jedes Entwicklungsprojekt sollte die individuellen Gegebenheiten der Schulgemeinschaft berücksichtigen, sagt Nieskens. Bei der Umsetzung ist aber immer ein strukturierter Schritt-für-Schritt-Prozess angeraten. Hierbei unterstützt der Leitfaden „Gelingensbedingungen für die Entwicklung guter gesunder Schulen“. Dieser sieht einen spiralförmigen Prozess in drei Phasen vor: die Planungs- und Startphase, die Interventionsphase und die Evaluations-/ Stabilisierungsphase. Die drei Phasen umfassen wiederum insgesamt acht Schritte.

Gut zu wissen: Die drei Phasen der Schulentwicklung

I. Planungs- und Startphase

  • Schritt 1: Vision einer guten gesunden Schule entwickeln, Steuergruppe gründen bzw.
    Steuerung planen
  • Schritt 2: Istzustand definieren, Stärken und Schwächen  identifizieren, Handlungsziele ableiten
  • Schritt 3: Bereitschaft zur Veränderung prüfen, Erfahrungen auswerten, Widerständen begegnen, Ressourcen erfassen

 

II. Interventionsphase

  • Schritt 4: Motivation der Beteiligten erhalten durch Partizipation und Würdigung von Engagement
  • Schritt 5: Prozess steuern, Ressourcen sichern (zeitlich, personell, technisch, finanziell), Prozesse überwachen, Beteiligten Ergebnisse rückmelden

 

III. Evaluierungs- und Stabilisierungsphase

  • Schritt 6: Bilanz ziehen, Erfolge würdigen, erreichte Ziele prüfen, offene Ziele benennen
  • Schritt 7: Gemeinsam evaluieren: Was ist gut gelungen, was würden wir künftig anders machen?
  • Schritt 8: Transfer sichern, Rückfallrisiken ermitteln und mit konkreten Maßnahmen begegnen

 

Wer ist für Entwicklungsprojekte verantwortlich?

„Verantwortlich für das Thema Schulentwicklung ist immer die Schulleitung“, sagt Birgit Nieskens. „Gesteuert werden die Projekte aber meist über ganze Teams.“ Das können Lehrkräfte mit Führungsverantwortung sein, aber auch solche mit passender (Zusatz-)Qualifikation. In einer solchen Steuergruppe, die es für jedes Entwicklungsprojekt braucht, müssen zwingend die Verantwortlichkeiten geklärt werden – auch für vermeintlich nebensächliche Aufgaben: Wer trägt relevante Informationen ins Kollegium, wer verschriftlicht wichtige Ziele und Zeitvorgaben, wer wertet frühere Projekte und Prozesse aus?

Was sind erste Schritte?

„Am Anfang müssen die Kernfragen beantwortet werden: Warum ist das Thema wichtig für eine gute gesunde Schule und wo wollen wir damit hin?“, sagt Nieskens. „Das Sprechen über den Prozess ist bereits Teil des Prozesses.“ Am Beispiel Ganztag: In der Startphase sollte die Steuergruppe die gesundheitsförderlichen Ziele definieren. Etwa, dass alle Schülerinnen und Schüler regelmäßige Mahlzeiten bekommen und ein sicheres, betreutes Lernumfeld haben. „Dann kann ich prüfen: Gibt es Vernetzungsmöglichkeiten, etwa mit Sportvereinen in der Umgebung? Wie steht es um die internen Ressourcen und mögliche Bedenken im Kollegium?“

Porträt von Lehrerbildnerin Dr. Birgit Nieskens in Schwarz-Weiß. Sie hat halblange, leicht gewellte, weiße Haare, lächelt und trägt einen Stapel Bücher.

„Verantwortlich für das Thema Schulentwicklung ist immer die Schulleitung. Gesteuert werden die Projekte aber meist über ganze Teams.“

Dr. Birgit Nieskens, Lehrerbildnerin und Mitautorin der DGUV Information "Gelingensbedingungen für die Entwicklung guter gesunder Schulen"

Wie umgehen mit Widerstand?

Bedenken aus dem Kollegium dürfen nie ignoriert werden. Denn ungelöst führen sie dazu, dass die Beteiligten die Motivation verlieren oder Neuerungen sogar boykottieren – dann droht das Projekt zu scheitern. Das ist umso problematischer, weil sich das Kollegium bei neuen Projekten an dieses Scheitern erinnern wird. Um Widerstände aufzulösen, sind offene Kommunikation und Partizipation wichtig, von Anfang an: „Alle Beteiligten müssen sich gehört und ernstgenommen fühlen. Gibt es weiterhin Unsicherheiten, dann können Verantwortliche Angebote machen, etwa: Wir probieren diese neue Lernmethode jetzt ein Jahr aus, und dann schauen wir weiter.“

Was tun, wenn’s bei Entwicklungsprojekten an der Schule hakt?

Merken Verantwortliche, dass sie sich verkalkuliert oder die Rahmenbedingungen sich geändert haben, sollten sie einige Schritte zurückgehen. Dann gilt es, Bedingungen und Ziele neu auszuloten. Grundsätzlich ist Schulentwicklung niemals „beendet“, betont Nieskens, sprich: Auch bereits implementierte Neuerungen müssen immer wieder reflektiert und gegebenenfalls nachjustiert werden.

Ein Problem: „Ganz häufig wird eine wichtige Frage nicht gestellt: Was passiert, wenn das Projekt gelingt? Dann habe ich eine supertolle Neuerung auf den Weg gebracht und merke plötzlich, dass ich gar nicht die personellen Ressourcen dafür habe.“ Die Schulleitung muss sicherstellen, dass etwa die neue Lernmethode auch umgesetzt werden und sich verstetigen kann.

Wann braucht es externe Hilfe für Schulentwicklung?

Schulleitungen eignen sich im Rahmen ihrer Tätigkeit Managementfähigkeiten an – aber wer tut es noch, um sie zu entlasten? „Für Schulentwicklung muss man neben der Gesundheit der Lehrkräfte auch deren Unterstützung und Fortbildung in den Blick nehmen“, so Nieskens. Fehlt es an entsprechendem Know-how, können Schulleitungen interne Weiterbildungen forcieren – oder zusätzlich externe Hilfe in Anspruch nehmen. Eine externe Projektsteuerung kann auch Vorteile haben, etwa die Neutralität gegenüber allen am Prozess Beteiligten.

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