Die aktuelle Ausgabe mit dem Schwerpunkt "Sichere Spielgeräte und Bewegungsflächen" ist da
Jetzt PDF herunterladen
Suche
Beliebte thematische Schlagworte:
Prävention

Durchdachte Schulhof-Spielgeräte für bewegte Pausen

Sichere, altersgerechte Spielflächen und Spielgeräte fördern die Motorik und das soziale Miteinander. Die Grundschule Am Apfelgarten verknüpft auf ihrem neuen Schulhof durchdachte Bewegungsangebote mit Naturelementen.

Autor/in: Isabel Ehrlich (Raufeld Medien)

Datum: 28.08.2026

Durchdachte Schulhof-Spielgeräte für bewegte Pausen
Die Kletterinsel ist bei den Kindern besonders beliebt. © Jann Höfer
Das Wichtigste in Kürze
  • Schulhöfe sollten die Schülerinnen und Schüler zu Bewegung und Spiel einladen
  • Die Schulhof-Spielgeräte müssen sicher gestaltet sein, sollten die Kinder aber auch herausfordern und aktivieren
  • Bei den Regeln zur Nutzung der Spielgeräte und Bewegungsflächen sollten die Schulen die Kinder beteiligen

Noch ist es ganz ruhig auf dem Schulhof der Grundschule Am Apfelgarten in Bonn. Die große Kletterinsel thront verlassen in der Morgensonne, die Holzpfeiler in den blauen Himmel gereckt. Doch dann stürmen die Drittklässlerinnen und Drittklässler der „Wal-Klasse“ auf die Spielgeräte zu, klettern blitzschnell auf die Holzhäuschen, hängen kopfüber an den Reckstangen und balancieren über die -Seile – die Begeisterung ist beeindruckend.

Klassenlehrerin Kristin Emde erklärt lächelnd, der heutige Fototermin habe eine Extraportion Energie freigesetzt. Aber auch ohne Medienbesuch sei die Spiellandschaft extrem beliebt, genau wie der Rest des großen, modernen Hofes der Grundschule.

Die Kletterinsel der Grundschule am Apfelgarten mit Kletterturm, Rutsche, Häuschen und Balancierstrecken.
Die neue Kletterinsel ist das Herzstück des Schulhofes der Grundschule Am Apfelgarten. © Jann Höfer

Schritt für Schritt zum neuen Schulhof

Damit die bewegte Pause sicher und pädagogisch durchdacht abläuft, wurde im Vorfeld einiges getan. Ein Blick zurück: Im Jahr 2019 wurde die Grundschule Am Apfelgarten gegründet. Der Unterricht fand zunächst in Containerbauten statt, das neu gebaute Schulgebäude wurde Anfang 2025 bezogen. Der große Schulhof samt Laufbahn und Kleinspielfeld, der ebenfalls neu angelegt wurde, stand den Kindern dann Schritt für Schritt zur Verfügung.

„Im Herbst 2025 wurde die Kletterlandschaft eingeweiht“, sagt Schulleiterin Felicitas Stein, die zu den Kindern auf den Schulhof gekommen ist. „Dieser Bereich wird sehr vielfältig genutzt. Die Kinder können nicht nur klettern, sondern auch rutschen, balancieren, sich verstecken.“ Daneben gibt es zwei Schaukeln und Reckstangen in drei verschiedenen Höhen.

Verschiedene Spielzonen für vielfältige Bewegungsangebote

Verantwortlich für die Umsetzung des Schulhofes samt Spielflächen ist die Stadt Bonn – genauer das Städtische Gebäudemanagement, vertreten durch das Amt für Umwelt und Stadtgrün. Hier arbeitet Katharina Thoma, die gerade ebenfalls auf den Schulhof geradelt kommt. Die Landschaftsarchitektin hat das Projekt geleitet, für die Umsetzung wurde ein externes Planungsbüro beauftragt. „Der Schulhof ist in verschiedene Zonen unterteilt. In ruhigere zum Wohngebiet hin und intensiv genutzte an der Erschließungsstraße“, sagt Thoma. „Das Kletterelement ist darauf ausgerichtet, dass viele Kinder es gleichzeitig nutzen können.“

Porträt von Landschaftsarchitektin Katharina Thoma.

„Es müssen Bewegungsanreize geschaffen werden, die für die Kinder interessant sind.“

Katharina Thoma, Landschaftsarchitektin bei der Stadt Bonn

Hier liegt eine der großen Herausforderungen, oft im Unterschied zu öffentlichen Spielplätzen: An Schulen kommt häufig eine sehr große Gruppe zusammen – das muss bei der Gestaltung sicherer Spielgeräte berücksichtigt werden. „Deswegen sind zum Beispiel die Übergänge und Netze so gestaltet, dass mehrere Kinder gleichzeitig klettern können,“ erklärt Thoma. Ebenso muss die Aufsicht jederzeit möglich sein. Nicht einsehbare oder abgeschirmte Bereiche wurden vermieden.

Ganz wichtig ist es auch, die Spielgeräte dem Alter entsprechend zu gestalten. Statt üppiger Dekoration – die im Zweifel zusätzliche Sicherheitsrisiken bergen können – steht der sportliche Faktor im Fokus. „An Grundschulen müssen Bewegungsanreize geschaffen werden, die für die Kinder interessant sind“, so Thoma. Das scheint gelungen, so engagiert und routiniert, wie die „Wal-Klasse“ sich auf den Spielgeräten bewegt.

Zwei Kinder hängen von einer Reckstange auf dem Spielplatz kopfüber herunter.
Die Kinder sind auf dem Spielplatz richtig sportlich unterwegs. © Jann Höfer

Schulhof-Spielgeräte werden mit grünen Naturbereichen kombiniert

Zentral für die gefahrlose Nutzung sind die sicherheitstechnischen Vorgaben nach DIN EN 1176, die Spielplatzgeräte erfüllen müssen. So darf es etwa keine Fangstellen geben und es muss passender Fallschutz vorhanden sein. In der Grundschule Am Apfelgarten wurden Holzhackschnitzel als Fallschutz gewählt. Dadurch entsteht ein naturnaher Look, außerdem tragen sie mit den Sand- und Grünflächen zur Entsiegelung des Schulhofes bei: ein Trend, der aus guten Gründen auch anderswo Beachtung findet. (s. Interview unten)

Klimaanpassung und Nachhaltigkeit waren ein großes Thema bei der Schulhofgestaltung der Bonner Grundschule. Es gibt einen Schulgarten, außerdem wurden zahlreiche Sträucher, Bäume und Stauden gepflanzt. Das sieht nicht nur schön aus, sondern hat auch einen Schutzeffekt: „Noch sind die Bäume nicht so groß, aber in Zukunft wird hier ein Baumdach mit Schattenwirkung entstehen“, sagt Katharina Thoma.

Weitere Bewegungszonen ergänzen die Spielgeräte auf dem Schulhof

Schatten spendet neben dem Klettergerüst auch das große, von Säulen getragene Dach, das eine weitere Zone vor dem Schulgebäude überspannt. Dass diese nicht nur eine Beton-, sondern auch eine Bewegungszone ist, zeigen die Grundschulkinder Tim und Merle eindrücklich: Mit Rollern flitzen sie über kleine, erhöhte Inseln. „Die Kinder lieben das und sind sehr geschickt dabei“, sagt Schulleiterin Stein. Die Fahrzeuge können sie sich in einem Geräteraum ausleihen.

Dieser zusätzliche Spielbereich ist barrierefrei zugänglich und bietet Bewegungsmöglichkeiten für Kinder, die nicht gerne klettern – oder es vielleicht nicht gut können. Auch die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade und Höhen der Geräte im Kletterbereich leisten einen Beitrag zur inklusiven Nutzung. Zudem sind alle Zugänge auf den Schulhof sowie zur Laufbahn, zum Kleinspielfeld und in den Schulgarten barrierefrei, erläutert Projektleiterin Thoma.

Zwei Kinder fahren mit gelben Rollern auf dem Schulhof herum.
Die kleinen Hügel auf dem Schulhof werden gerne mit den Rollern befahren. © Jann Höfer

Wenige, aber zentrale Spielregeln und eine partizipierende Schülerschaft

Die Kinder können den Schulhof und die Geräte immer nutzen, sagt Felicitas Stein, „nur bei Starkregen oder Glatteis müssen sie drinnen bleiben“. Ansonsten gibt es beim Spielen nur wenige Regeln, denn die Schülerinnen und Schüler sollen selbst herausfinden, wie sie sich sicher auf den Schulhof-Spielgeräten bewegen können.

Ganz ohne Absprachen geht es aber nicht: „Sie dürfen nicht auf die schrägen Dächer der kleinen Holzhäuser klettern. Und von den Kletterelementen runterspringen dürfen sie nur, wenn sie sich vergewissert haben, dass niemand unter ihnen ist“, sagt Lehrerin Kristin Emde, die stets ein Auge auf ihre spielende Klasse hat.

Sichere Pausen fördert die Grundschule Am Apfelgarten auch mit regelmäßigem Austausch. „Beim Spielen und auch sonst gilt: Wir nehmen Rücksicht aufeinander“, sagt Emde. Außerdem werden die Kinder dazu animiert, eigene Ideen einzubringen und Probleme zu benennen. Dafür gibt es zum Beispiel das Kinderparlament. „Weil die Kinder lange auf den Schulhof warten mussten, ist eine große Wertschätzung entstanden“, so Lehrkraft Emde. „Wir legen daher alle gemeinsam großen Wert darauf, dass dieser schöne neue Ort auch lange schön bleibt.“

Klassenlehrerin Kristin Emde erklimmt auch mal die Kletterinsel. © Jann Höfer

Die Kinder achten auf „ihren“ Spielbereich und merken, wenn etwas nicht stimmt. Einmal sei einer der Holzklötze kaputt gewesen, eine Halterung war herausgerissen, erinnert sich der neunjährige Schüler Tim. Das haben sie sofort dem Hausmeister gemeldet. „Wir wollen ja nicht, dass jemand stürzt!“

Von behördlicher Seite gibt es feste Vorgaben zur Wartung und Prüfung der Spielgeräte an Schulen. „Bei Neuplanungen wird der gesamte Spielbereich durch einen externen Spielplatzprüfer abgenommen“, sagt Projektleiterin Katharina Thoma. „Unabhängig davon prüfen wir als Stadt zusätzlich, wenn wir ein solches Projekt verantworten.“ Danach folgen regelmäßige Jahres- und Quartalsprüfungen, um Mängel oder Verschleiß rechtzeitig zu erkennen.

Morgendliche Sichtprüfung des Spielbereiches gehört zur Routine

Eine kleine Herausforderung in der Grundschule Am Apfelgarten: Nach Schulschluss ist der Schulhof öffentlich zugänglich. Da kann es vorkommen, dass morgens Flaschen oder Müll auf dem Gelände liegen. Umso wichtiger ist die morgendliche Sichtprüfung durch den Hausmeister, um etwa Gefahren durch Glasscherben zu vermeiden.

Die vielen Spielmöglichkeiten haben laut Schulleiterin Felicitas Stein einen spürbar positiven Effekt: „Es gibt weniger Konflikte als früher. Bei all der Dichte im städtischen Raum kann hier jedes Kind seinen Interessen nachgehen.“ Auch Tim und Merle finden lobende Worte für ihren Schulhof. Vor allem für die Kletterzone, die sie nicht nur in den Pausen nutzen: „Wir können hier auch nach der Schule noch draufgehen“, sagt Merle. Und dass sie hier so viel herumrennen können, findet sie „richtig toll“!

Zum Weiterlesen:

Auch an beruflichen Schulen sollte Bewegung gefördert werden – dieser pluspunkt-Beitrag liefert Impulse.

Weitere Tipps für eine bewegte Schule liefert die DGUV Information “Bewegung und Lernen”

Schulhöfe entsiegeln, Biodiversität fördern:

Drei Fragen an: Oliver Patschula

Porträt von Spielplatzprüfer Oliver Patschula.
Oliver Patschula
Spielplatzprüfer und Aufsichtsperson, Unfallkasse Rheinland-Pfalz

Herr Patschula, es gibt zahlreiche Projekte zur Begrünung und Entsiegelung von Schulhöfen. Ist das eine direkte Reaktion auf den Klimawandel?

Es gibt verschiedene Ansatzpunkte. Zum einen soll mit Begrünung die Biodiversität gefördert und Naturbewusstsein geschaffen werden. Mit Blick auf den Klimawandel tragen Entsiegelung und mehr Bäume und Sträucher dazu bei, auf den Schulhöfen Klimaoasen zu schaffen. Wenn ich eine große asphaltierte Fläche habe, ohne Schattenflächen, dann wird es im Sommer sehr heiß – und ab dem Mittag kann man dort mit den Schülerinnen und Schülern nichts mehr planen. Ein dritter Aspekt sind Starkregenereignisse, die auf versiegelten Flächen zu Überschwemmungen führen können.

Spielplätze sind oft Teil des Schulhofes. Welche Maßnahmen lassen sich hier konkret umsetzen?

Statt synthetischem Bodenbelag, der heiß wird und oft auch riecht, kann zum Beispiel Holzhackschnitzel als Fallschutz dienen. Das Gelände kann naturnah modelliert werden, zum Beispiel mit begrünten Hügellandschaften. Die eignen sich auch, um die Kinder motorisch und kognitiv zu fordern. Rund um die Spielgeräte können Hecken und Bäume gepflanzt werden. Ein Nachteil, der oft angeführt wird, ist der recht hohe Pflegeaufwand der Bepflanzung.

Dem entgegen stehen aber die gesundheitsförderlichen Argumente für grüne Spielflächen, angefangen bei besagtem Hitzeschutz.

Richtig, denn es sollte das Ziel sein, Aufenthaltsdauer und Aufenthaltsqualität der Spielbereiche zu erhöhen – nicht zuletzt, weil es Ganztagsangebote geben muss. Laut Empfehlung sollen die Schülerinnen und Schüler von elf bis 15 Uhr nicht in die direkte Sonne. Wenn es keine Schattenflächen gibt, müssten sie demnach den ganzen Tag drinnen bleiben. Besagte Klimaoasen bieten zudem nicht nur Schatten, die Pflanzen sorgen auch für Verdunstungskühlung, die die Temperatur im Umfeld um zwei bis drei Grad senken kann

Beliebte thematische Schlagworte: