Experimentieren ohne Risiko
Im Chemieunterricht wird teilweise mit entzündbaren, ätzenden oder giftigen Stoffen experimentiert. Um Risiken durch Gefahrstoffe zu vermeiden, müssen Lehrkräfte immer mit Bedacht vorgehen.
Autor/in: Judith Hyams (Raufeld Medien)
Datum: 14.09.2026
- Schulunfälle mit Gefahrstoffen sind zwar selten, aber das Risiko ist hoch
- Chemie-Lehrkräfte brauchen aktuelles Präventionswissen, um die Schülerschaft und sich zu schützen
- Zentral für sicheren Chemieunterricht sind der sichere Umgang und die Lagerung von Gefahrstoffen
Wenn es ordentlich zischt, brodelt und funkelt, ist der Lerneffekt im Chemieunterricht größer als jede Theorie. Dass dabei teilweise Gefahrstoffe zum Einsatz kommen, lässt die Spannung steigen – aber eben auch die Gefahr.
Genaue Zahlen zu Unfällen im Chemieunterricht gibt es nicht. Klar ist, dass Sport- und Pausenunfälle deutlich häufiger passieren. Gleichwohl ist das Gefährdungspotenzial bei Experimenten mit Gefahrstoffen groß, sagt Dr. Elke Frenzel, Diplom-Biologin und Aufsichtsperson der Kommunalen Unfallversicherung Bayern: „An deutschen Schulen wird viel Wert auf Sicherheit gelegt. Leider ereignen sich trotzdem gelegentlich schwere Unfälle.”
Diese Risiken bringen Gefahrstoffe mit sich
Unfälle mit entzündbaren Flüssigkeiten wie Ethanol sind möglich, ebenso wie Haut- oder Augenreizungen, Verätzungen oder Schnittwunden durch zerbrochene Glasgefäße. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Kinder den richtigen Umgang mit solchen Stoffen lernen, um Unfällen im Haushalt oder bei alltäglichen Tätigkeiten – etwa Verpuffungen beim Grillen – vorzubeugen. Auch aus diesem Grund steht das Thema Sicherheit beim Chemieunterricht im Vordergrund.
Wo Lehrkräfte sich proaktiv informieren können
Unverzichtbar sind verbindliche Regelwerke und geprüfte Informationen. Elke Frenzel empfiehlt vor allem drei Quellen. An erster Stelle stehen Fortbildungen, die für Chemielehrkräfte angeboten werden. Zweitens sind die „Richtlinien zur Sicherheit im Unterricht“ (RiSU) der Kultusministerkonferenz relevant, weil sie Vorgaben für den Umgang mit Gefahrstoffen, Experimenten und Laborausstattung enthalten.
Die dritte Quelle ist das Onlineportal „DEGINTU“ der DGUV – ein kostenloses Gefahrstoffinformationssystem für den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht. „DEGINTU ist hilfreich, weil hier keiner das Rad neu erfinden muss“, sagt Elke Frenzel. „Lehrkräfte bekommen die Sicherheitshinweise für bewährte Schulversuche gleich mitgeliefert – und wenn sie denen folgen, sind sie in jedem Fall auf der sicheren Seite.“
„Schulen sollten nur solche Gefahrstoffmengen vorrätig haben, die in absehbarer Zeit verbraucht werden können.“
Schülerschaft optimal und praxisnah vorbereiten
Um Gefahren zu vermeiden, sollten Schülerinnen und Schüler regelmäßig für die wichtigsten Regeln sensibilisiert werden. Normalerweise geschieht das in einer Unterweisung zu Beginn jedes Halbjahres. Elke Frenzel empfiehlt einen praxisnahen Austausch: „Was ist ein Erlenmeyerkolben, was ist ein Becherglas? All das sind Fragen, die man auch im Rahmen eines sogenannten Experimentier-Führerscheins beantworten kann.”
Unmittelbar vor den Experimenten sollte nochmals auf die wichtigsten Regeln hingewiesen werden (s. Checkliste). „Auch an die klassischen Hygienemaßnahmen wie Händewaschen nach dem Experimentieren sollten Lehrkräfte wiederholt erinnern, damit keine Chemikalien an den Händen nach draußen gelangen“, betont Frenzel.
Checkliste: Risiken durch Gefahrstoffe im Unterricht vermeiden
- Gefährdung vorab prüfen, Versuch testen
- Nur für den Schulunterricht geeignete Gefahrstoffe nutzen. Mehr Infos dazu unter DEGINTU, RiSU oder unter dem Regelwerk der DGUV,
→ Klicktipps unten - Schutzbrille, Kittel und ggf. Handschuhe tragen
- Klare Anweisungen geben, Verhaltensregeln festlegen, Aufsicht regeln
- Kein Essen/ Trinken, Haare zusammenbinden
- Gefahrstoffe sicher lagern
- Reste fachgerecht entsorgen
Fachgerechte Lagerung von Gefahrstoffen
Mindestens ebenso wichtig ist die korrekte Lagerung von Gefahrstoffen an Schulen. Für jede Stoffklasse gibt es entsprechende Lagermöglichkeiten, wie abgesaugte Schränke für Stoffe, die gefährliche Gase und Dämpfe abgeben, oder Sicherheitsschränke für entzündbare Flüssigkeiten.
Auch wenn sich die Bedingungen in den Schulen unterscheiden, gilt eine grundsätzliche Regel: „Schulen sollten nur solche Mengen von Gefahrstoffen vorrätig haben, die in absehbarer Zeit auch verbraucht werden können“, sagt Expertin Frenzel. „Natürlich können manche Stoffe nicht in einem Schuljahr verbraucht werden, aber es sollte vermieden werden, dass einzelne Gefahrstoffe über Jahre oder sogar Jahrzehnte herumliegen.” Viele Stoffe können nämlich nicht nur im Experiment gefährlich werden, sondern sich bei zu langer Lagerung selbst zersetzen oder gegebenenfalls sogar explodieren.
Auch Chemikalien haben in der Regel ein Haltbarkeitsdatum. Die Haltbarkeit hängt jedoch oft auch von den Lagerbedingungen oder der Sorgfalt und Sauberkeit bei der Entnahme aus den Gefäßen ab. Hinweise zur Lagerung von Gefahrstoffen finden Verantwortliche im entsprechenden Regelwerk der DGUV.
Zum Weiterlesen:
Zentrale Vorgaben liefert die DGUV Regel 113-018 „Unterricht in Schulen mit gefährlichen Stoffen“
Hier finden Sie die Richtlinie zur Sicherheit im Unterricht (RiSU) (PDF)
Das Gefahrstoffinformationssystem DEGINTU liefert Lehrkräften einen guten Überblick
Dieses Unterrichtsmaterial unterstützt Lehrkräfte praxisnah beim Thema Sicherheit im Chemieunterricht