Lesementorin an der Schule: Lass uns lesen!
Monika Rapp hat jeden Dienstag einen Termin: Als Lesementorin entdeckt sie mit Grundschülerin Nele spannende Geschichten – und freut sich über gemeinsame Erfolge.
Autor/in: Isabel Ehrlich (Raufeld Medien)
Datum: 24.04.2026
- Das Ehrenamt der Lesementorin oder des Lesepaten fördert die Lesekompetenz von Kindern an Grundschulen
- Lesementorin Monika Rapp berichtet von ihrer positiven Erfahrung an einer Grundschule in Nauen
- Wichtig für das Ehrenamt sind eine Vorab-Qualifizierung, Motivation – und Spaß am Lesen
Hier sitzen zwei, die sich verstehen: Die gemeinsame Stunde, die Lesementorin Monika Rapp und die neunjährige Nele miteinander verbringen, macht beiden sichtlich Spaß. Die beiden haben feste Rituale, die sie auch an diesem Nachmittag im Spiel- und Lesezimmer der Käthe-Kollwitz-Grundschule in Nauen zelebrieren: Los geht es mit einer Runde Mikado spielen. „Nele gewinnt eigentlich immer“, sagt Monika Rapp.
Dann holt die Lesementorin Rapp eine Lernzeitschrift aus ihrem Ordner, in der Nele kleine Geschichten zu aktuellen Themen lesen, Rätsel lösen und kleine Schreibtests machen kann. Auch die Zungenbrecher im Magazin findet Nele gut. „Der Weihnachtszungenbrecher war am witzigsten.“

Ziele des Ehrenamtes als Lesementorin oder Lesementor
Seit rund einem Jahr verbringen Nele und Monika Rapp jede Woche eine Stunde zusammen in der Grundschule, immer mit einem bunten Programm rund um das Thema Lesen. Die ehemalige Schulpsychologin Rapp ist Mitglied im Verein „MENTOR – Die Leselernhelfer Havelland e. V.“ . Alle Mitglieder sind ehrenamtlich für den Verein tätig, der nicht nur im brandenburgischen Havelland, sondern mit verschiedenen lokalen Initiativen bundesweit aktiv ist. Ziel der Lesementorinnen und Lesementoren ist es, die Lese- und Sprachkompetenz von Grundschulkindern zu fördern.
Aufmerksam wurde Rapp auf den Verein durch einen Flyer. Das Konzept der Lesementorenschaft sagte ihr sofort zu – einerseits, weil sie ihr ganzes Berufsleben bereits mit Schulkindern zusammengearbeitet hat. Mittlerweile ist sie im Ruhestand. Aber auch, weil das Thema Lesen sehr gut passt. „Ich lese selbst gern und finde es spannend, in eine Geschichte einzusteigen, wenn es einen richtig packt. Dieses Gefühl wollte ich gerne weitergeben.“

Wichtig für das Ehrenamt an der Schule: Qualifizierung und Motivation
Im Jahr 2024 hatte sie ein erstes Gespräch mit der Vorsitzenden des Vereins und wurde über die Ziele und Abläufe informiert. Auch der Kontakt zur Schule läuft über den Verein. Die Schule wiederum vermittelt die Lesekinder. Doch bevor es losgeht, wird jede angehende Lesementorin mit einer Qualifizierung auf das Ehrenamt vorbereitet. „Dabei geht es vor allem um den Umgang mit den Kindern, und wie wichtig es ist, Geduld zu haben. Aber auch, wie man eine Stunde gestalten kann und welche Materialien zur Verfügung stehen.“
Aber alles ganz ohne Leistungsdruck, das ist Monika Rapp wichtig. „Wir treten nicht wie Lehrkräfte auf, das ist nicht unsere Aufgabe. Es geht vor allem um die Beziehung zum Kind. Wir begleiten die Kinder, das ist wohl das richtige Wort.“
Wer Nele und Monika Rapp beobachtet, sieht schnell, was die Lesementorin damit meint: Bei diesem Ehrenamt geht es vor allem um eine gute, gemeinsame Zeit, um Freude daran, sich die Welt der Buchstaben und Bücher zu erschließen. Die Förderung passiert dabei praktisch von ganz allein. Zwischendurch erzählen sich die beiden auch einfach mal etwas, vor allem Nele berichtet gerne von ihren Hobbies oder davon, was sie diese Woche noch geplant hat. Auch dafür ist immer Zeit, Monika Rapp hört ihr gerne zu.
Wie kann ich Lesementorin oder Lesepate werden?
- In Deutschland gibt es verschiedene Vereine und Initiativen, die Ehrenamtliche als Lesepatin/ Lesepate oder Lesementorin/ Lesementor qualifizieren und vermitteln
- Meist sind diese in einzelnen Bundesländern aktiv und mit lokalen Schulen vernetzt
- In der Regel sind keine besonderen Vorkenntnisse erforderlich; sowohl Berufstätige als auch Rentnerinnen und Rentner, Studierende etc. können das Ehrenamt übernehmen
- Wichtig sind Verlässlichkeit und i. d. R. mindestens eine Stunde pro Woche Zeit für das Ehrenamt, sowie Geduld und Einfühlungsvermögen – und die Lust am Lesen und Vorlesen

Eine Motivation der Lesementorin: gemeinsame Erfolge
Fragt man Nele danach, was ihr an der Stunde mit Monika Rapp am besten gefällt, ist die Antwort ganz einfach: „Mir gefällt es, dass ich mit ihr lesen kann!“ Und dass das auch richtig gut klappt, stellt Nele auch gleich nochmal unter Beweis. Nach dem Spiel und der Lernzeitschrift lesen die beiden immer in einem Buch – einem richtigen Kinderroman mit vielen Kapiteln und einer spannenden Geschichte. Monika Rapp liest ein Stück vor, danach übernimmt Nele, so geht es ein paar Seiten immer im Wechsel. Die Schülerin hat in einem Jahr tolle Fortschritte gemacht, findet Rapp. „Dass sie in diesem Buch schon ganze Seiten vorliest, in der kleinen Schrift, das finde ich schon erstaunlich.“
Jetzt stehen die Ferien vor der Tür, da pausiert die Lesementorin. Aber dann geht es weiter, mit neuen Büchern, Zeitschriften und gemeinsamen Erfolgserlebnissen.