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Menschen in der Schule

Film-AG als Ehrenamt: Zurück an die Schule

AGs bereichern jede Schule. Ehemalige Schüler der Mildred-Harnack-Schule Berlin bieten ehrenamtlich eine Film-AG an – und lernen selbst dabei.

Autorin: Julia Frese (Redaktion Raufeld)

Bild: Yven Exner und Feliks Thiele (2. und 3. von links) engagieren sich seit ihrem Abitur ehrenamtlich in einer Film-AG. © Caroline Heinecke

Datum: 28.01.2026

Film-AG als Ehrenamt: Zurück an die Schule

Wer engagiert sich hier?

Yven und Feliks waren bis vor Kurzem noch Schüler der Mildred-Harnack-Schule in Berlin. Inzwischen studieren sie und bieten nebenher als Ehrenamtliche Workshops und AGs für 9.- bis 12.-Klässler an ihrer ehemaligen Schule an. Und das mit großem Erfolg: Ihr Theaterstück „Blutrote Mauern“, in dem es um persönliche Erfahrungen rund um den Mauerfall geht, wurde bereits mit mehreren Theater-Preisen ausgezeichnet, ihr Kurzfilm „Licht ist das Leben“ erhielt den Kurzfilmpreis beim Kurzfilmfestival Marzahn-Hellersorf.

Der rund 8-minütige Film behandelt das Thema Antisemitismus in Deutschland und wurde unter anderem bei einer Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht sowie den Jüdischen Kulturtagen in Berlin gezeigt.

Schon als die beiden noch selbst Schüler waren, wollten Feliks und Yven mehr als das schulische Angebot ihnen an Input gab. Die beiden gründeten als 12.-Klässler mit weiteren Freunden eine Podcast-AG und produzierten regelmäßig neue Folgen zu verschiedenen Aspekten des Schullebens. Auch im Fachbereich Darstellendes Spiel nahmen sie an mehreren schuleigenen Produktionen teil. Doch das reichte ihnen nicht.

Damit Schule funktioniert, braucht es Menschen, die sich mit Tatkraft, Ideen und Engagement einbringen. In der Reihe „Menschen in der Schule“ stellen wir Persönlichkeiten vor, die sich innerhalb und außerhalb des Unterrichts besonders für die Schulgemeinschaft einsetzen. Kennen Sie jemanden, der dieses Engagement sichtbar macht? Dann freuen wir uns über Hinweise und Vorschläge.

Schreiben Sie uns! redaktion-pp@raufeld.de
Fünf Jugendliche sitzen in einer Aula an einem Holztisch, im Vordergrund stehen Stühle.
Feliks Thiele und Yven Exner (3. und 4. von links) mit ihrer Film-AG. © Caroline Heinecke

Was nützt das Engagement der Schule?

Mit ihrem Fachbereich Darstellendes Spiel hat die Mildred-Harnack-Schule bereits einen kulturellen Schwerpunkt. Film- und Theater-Workshops und AGs am Nachmittag, wie Feliks und Yven sie veranstalten, gab es bisher jedoch nicht. Für die Film-AG treffen sich die Teilnehmenden regelmäßig in der Aula.

Im ersten Stock des Gebäudes belegt die AG einen kleinen Raum als Studio, in dem die Jugendlichen ihre Aufnahmen selbst am Laptop schneiden. Die Theater-Workshops finden blockweise statt, geprobt wird ebenfalls auf der Aula-Bühne. Die Jugendlichen lernen in den Workshops und AGs viel über Film- und Veranstaltungstechnik, trainieren Selbstbewusstsein, Kreativität und mediale Kompetenzen.

Was treibt diese Menschen an?

Nachdem beide im Jahr 2023 Abitur gemacht hatten, etablierten Yven und Feliks ein festes Angebot an Arbeitsgemeinschaften für Filmtechnik und Theater an der Schule. „Ich mache das auch deswegen, weil ich mir gewünscht hätte, dass das in meiner Schulzeit angeboten worden wäre“, sagt Feliks. „Mich fasziniert vor allem die technische Ausrüstung, die man zum Dreh eines Films braucht“, erklärt Yven.

Inzwischen studieren beide Theater- und Veranstaltungstechnik an der Berliner Hochschule für Technik und bringen so zunehmend auch eigenes Know-how mit, das sie den Schülerinnen und Schülern in den AGs und Workshops vermitteln können.

Um AGs als externe Ehrenamtliche an der Schule anbieten zu können, haben die beiden ehemaligen Schüler extra den Verein Fhoch2 Kulturkollektiv gegründet – aus versicherungstechnischen Gründen dürften sonst nur Angestellte der Schule ein solches Angebot machen.

Geld bekommen Yven und Feliks für ihr Engagement nicht. Aber dafür sammeln sie jede Menge Erfahrungen mit technischer Filmausrüstung und deren Beschaffung über verschiedenste Fördertöpfe. Dazu kommt das positive Feedback durch verschiedene Preisverleihungen und begeisterte AG-Teilnehmende.

Teilweise müssen die Filmfans Förderanträge über die Bezirksverwaltung stellen und bekommen weitaus tiefere Einblicke in städtische Verwaltungsprozesse als manche Lehrkraft sie besitzt. Nicht immer sind die Prozesse unkompliziert, manchmal braucht es zig Formulare und einen langen Atem. „Aber wenn man offen auftritt, finden es viele gut, dass man sich engagiert, und helfen gerne“, fasst Feliks die Erfahrung zusammen.

Zwei Jugendliche stehen vor einem Mikrofon, das zwei andere Jugendliche mit einem Stab über ihre Köpfe halten. Im Hintergrund efeubewachsenes Mauerwerk.
Yven Exner (2. von rechts) hält ein Mikrofon. © Caroline Heinecke

Für wen ist das Angebot?

Fünf bis zehn Jugendliche nehmen jeweils an den Workshops und den Vereins-AGs teil. Einige stehen lieber vor der Kamera, wie etwa die Zwölftklässlerin Jonta von Kiedrowski, die in „Licht ist das Leben“ die Hauptrolle übernommen hat. Andere, wie etwa Yven selbst, sorgen mit Kamera, Licht und Mikrofon dafür, dass die technische Umsetzung stimmt.

Über selbstgestaltete Plakate haben die beiden ehrenamtlichen AG-Leiter zuletzt neue Mitspielende gesucht. „Bisher sind es hauptsächlich Leute, die sowieso im Bereich Darstellendes Spiel aktiv sind“, sagt Yven. „Wir hoffen aber, in Zukunft noch mehr unterschiedliche Teilnehmende zu finden und auch jene zu motivieren, die sich mit dem Thema Kultur vielleicht bisher wenig beschäftigt haben.“

Dafür sprechen sie auch mal persönlich Leute an, fragen, ob sie Interesse haben, in einer künftigen Theater- oder Filmproduktion vor oder hinter der Kamera mitzuwirken.

„Ich finde es wichtig, dass politische und historische Themen auch aus der Perspektive junger Menschen behandelt werden“, sagt Feliks. Bisher schreibt er die Drehbücher hauptsächlich selbst, in Zukunft sollen die Workshop-Teilnehmenden aber zunehmend auch eigene Skripts verfassen.

Wie biete ich ehrenamtlich eine Schul-AG an?

  • Viele Schulen kooperieren für ihr Angebot an Nachmittagsaktivitäten mit Sportvereinen, Musikschulen und anderen außerschulischen Trägern.
  • Auch Angebote von Privatpersonen sind oft gern gesehen. Wer gut Kochen, Gitarre spielen oder Gärtnern kann und sich zutraut, diese Kenntnisse an Kinder und Jugendliche zu vermitteln, kann zunächst einmal mit seinem Vorschlag an die Schulleitung herantreten.
  • Bei Interesse findet ein persönliches Gespräch statt. Die Vorlage von entsprechenden Qualifikationen und Zeugnissen kann dabei hilfreich sein.
  • Für die direkte Arbeit mit Schülerinnen und Schülern brauchen Ehrenamtliche zumindest pädagogische Grundkenntnisse – etwa Erfahrungen in der Sozialpädagogik oder im Erziehungs- oder Therapiebereich.
  • Außerdem sollten Geduld und gute Kommunikationsfähigkeiten zu den persönlichen Eigenschaften zählen. Vor einer Beauftragung durch die Schule ist zudem die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses Pflicht.

Hinweis: Es kann sein, dass die Schule nur mit Vereinen oder Trägerorganisationen zusammenarbeiten möchte. Das hat für die Schule ebenso wie die ehrenamtlich tätige Person den Vorteil, dass Bereiche wie Haftung, Versicherungsfragen und Aufsichtspflichten rechtlich abgesichert sind. Privatpersonen können sich an entsprechende Freiwilligenorganisationen wenden und ihr Interesse an schulischen Nachmittagsangeboten bekunden. In der Regel helfen Träger oder Vereine dann auch bei der Kontaktanbahnung.