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Ausgabe 3/2026

Schulentwicklung: „Es braucht Offenheit auf beiden Seiten“

Bei Entwicklungsprozessen an Schulen können schulexterne Beraterinnen und Berater unterstützen. Wann das sinnvoll ist und wie dabei die Prävention gefördert werden kann, erläutert Dr. Claus Buhren.

Autor/in: Julia Frese

Datum: 18.09.2026

Schulentwicklung: „Es braucht Offenheit auf beiden Seiten“
Das Wichtigste in Kürze
  • Schulentwicklungsberatung erfolgt nur auf Anfrage
  • Auch Prävention kann Beratungsthema sein
  • Beratungsprozesse dauern meist ein bis zwei Jahre

Herr Dr. Buhren, wann und warum kommt ein Schulentwicklungs-Berater zum Einsatz?

Schulentwicklungsberaterinnen und -berater kommen nur in Schulen, wenn diese das möchten. Die Ausgangssituation ist immer so, dass eine Schule ein Problem hat. Oder besser
gesagt: eine Entwicklungsfragestellung.

Was können das für Fragestellungen sein?

Die Themen haben zum Beispiel mit Unterrichtsentwicklung zu tun, mit Personalentwicklung, Fortbildung, einem neuen Schulprogramm oder einem Leitbild. Vor einigen Jahren waren Inklusion und Integration wichtige Felder. Derzeit ist das Thema datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung ganz groß.

Dr. Claud Buhren
Dr. Claus Buhren
Autor und Sprecher des „Netzwerkes Schulentwicklung“

Wie können durch Schulentwicklungs-Beratungen gesundheitliche und psychologische Risiken für das Kollegium verringert werden?

Hier würde sich zunächst eine Ursachenforschung empfehlen, etwa durch Personalbefragungen. Im Anschluss überlegt man, welche Faktoren für Überforderung, Unsicherheit oder Stress sorgen. Die Schulentwicklungsberaterinnen und -berater schauen nach geeigneten Befragungsinstrumenten, führen die Untersuchungen durch beziehungsweise binden dafür weitere externe Fachkräfte ein – und finden dann im gemeinsamen Gespräch heraus, wie man Stressfaktoren senken und die allgemeine Resilienz im Kollegium stärken kann. Prävention und Gesundheitsförderung können also auch ein geeignetes Thema in der Schulentwicklungsberatung sein.

Wie sieht eine Schulentwicklungsberatung konkret aus?

Ich mache es mal an einem Beispiel fest: Vor einigen Jahren habe ich eine Schule beraten, die ihre 7., 8. und 9. Klassen mit einem bestimmten Unterrichtskonzept eigenständiger arbeiten lassen wollte. Der Beratungsprozess lief über fast drei Jahre. Das klingt lang und übersteigt auch den üblichen Beratungsprozess, der meist ein bis zwei Jahre dauert. In diesem Fall besprach ich mich mit der eigens eingesetzten Projektplanungsgruppe im Sechs-Wochen-Takt. Wir überlegten, welche Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden müssen, denn bei einem Kollegium von 100 Lehrkräften sind nicht immer alle begeistert. Dann muss man das passende Konzept finden, einen ersten Probedurchlauf entwickeln und dabei Erfahrungen sammeln, die dann in ein endgültiges Konzept einfließen können. Schließlich müssen die Eltern mit einbezogen werden. Es sind also viele Schritte, bis das erste Pilotprojekt starten kann.

Können Sie den Unterschied zwischen staatlichen und freien Beratenden erläutern?

Der Unterschied ist vor allem, dass die staatlichen kostenfrei sind, weil sie je nach Bundesland über schulbehördliche Einrichtungen finanziert werden. Private Beraterinnen und Berater erheben Kosten. Meist haben sie eine Ausbildung als systemischer Coach oder einen pädagogisch-psychologischen Hintergrund. Diese Angebote richten sich zum Beispiel an Schulen in kirchlicher Trägerschaft und Privatschulen, die nicht auf die behördlichen Angebote zurückgreifen können. Dass eine staatliche Schule mit einem privaten Berater zusammenarbeitet, ist eher selten.

Wie wichtig ist die Offenheit von Schulseite – gerade in der Führungsebene?

Beratende geben eigentlich keine Ratschläge, -sondern begleiten einen Prozess – deshalb heißen sie in einigen -Bundesländern auch „Schulentwicklungsbegleiterinnen und -begleiter“. Es ist ein sehr kommunikativer Prozess, und es braucht Offenheit auf beiden Seiten. Dass sich Schulleitungen in ihrem Führungsverständnis infrage gestellt fühlen, sehe ich eigentlich nicht. Gleichzeitig spricht es auch sehr für Beraterinnen und Berater, wenn sie zugeben, dass sie an einzelnen Stellen überfragt sind, und sich bei Bedarf noch mal Expertise holen.

Wie wird die Schulentwicklungsberatung am Ende evaluiert?

Das passiert dialogisch mit der Projektgruppe. Ein guter Berater oder eine gute Beraterin wird am Ende auch immer erfragen, wie die Beratung wahrgenommen wurde. Die Evaluation wird also nicht von außen gesteuert, sondern von innen.

Zum Weiterlesen

Wie der Prozess der Schulentwicklung gut gelingen kann, lesen Sie hier.

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