„Vielseitigkeit ist essenziell für einen inklusiven Spielplatz“
Spielplätze an Schulen sollten allen gerecht werden: Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen. Warum inklusive Spiel- und Bewegungsflächen nicht nur für die Motorik der Kinder, sondern auch fürs soziale Miteinander wichtig sind, erläutert Christina Marx von der „Aktion Mensch“.
Autor/in: Isabel Ehrlich
Datum: 02.10.2026
- Spielplätze sollten barrierearm und vielseitig gestaltet werden, damit alle Kinder passende Angebote finden
- Zentral ist, dass Begegnung stattfindet und kein Kind ausgeschlossen wird
- Schulen können sich beraten lassen, wie Spielbereiche zielgruppengerecht gestaltet werden können
Frau Marx, ganz allgemein gefragt: Sind gänzlich barrierefreie Spielflächen und Spielgeräte überhaupt realistisch?
Hier ist es in der Regel wie überall beim Thema Barrierefreiheit: Vollumfänglich kann Barrierefreiheit selten erreicht werden, deswegen sind Spielplätze eher barrierearm. Das heißt, dass zumindest einige Merkmale erfüllt sind, also etwa der Boden oder die Zugänglichkeit barrierefrei gestaltet sind.
Beim Thema Zugänglichkeit denken viele zunächst an Rollstuhlfahrende. Aber es sollten ja auch Kinder mit anderen Behinderungen und Bedürfnissen einbezogen werden.
Richtig, deswegen sprechen wir auch oft eher von inklusiven Spielplätzen. Diese Unterscheidung erschließt sich nicht immer direkt für jede Person, aber wir sagen: Es geht nicht nur darum, dass Kinder mit dem Rollstuhl an ein Gerät kommen, sondern es geht auch darum, dass alle Kinder in ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten gefördert werden. Wenn es zum Beispiel unterschiedliche Griffhöhen bei einem Spielgerät gibt, dann hat das erst Mal nicht direkt etwas mit Barrierefreiheit zu tun – aber es hilft zum Beispiel einem Kind, das motorisch nicht so fit ist und Angst hat, ganz nach oben zu klettern. Oder es kann auch besonders kleinen oder kleinwüchsigen Kindern helfen. Für jene, die nicht gut sehen können, sind gute farbliche Kontraste eine Unterstützung. Diese Vielseitigkeit ist essenziell für einen inklusiven Spielplatz.
Passende Spielangebote für alle Kinder bereitstellen
Es geht also im Kern nicht darum, alles für alle zugänglich zu machen – sondern darum, verschiedene Angebote bereitzustellen, damit alle beim Spiel partizipieren können?
Ja, genau. Wenn man an einen klassischen Spielplatz denkt, dann gibt es da eine Rutsche zum Hochklettern und Runterrutschen. Aber wenn ein Kind motorische Schwierigkeiten hat oder nicht laufen kann, dann kann es dieses Angebot nicht nutzen. Das heißt nicht, dass es diese Rutsche nicht geben soll – aber es wäre gut, für diese Kinder andere Angebote zu haben.
Es gibt drei Kernelemente für inklusive Spielbereiche: erstens die Zugänglichkeit, entweder zum Spielplatz oder zum Schulhof. Zweitens die Zugänglichkeit zu den Spielgeräten. Und drittens die Vielseitigkeit der Spiel- und Bewegungsangebote, die Kinder in ihrer Motorik unterstützen und Spaß machen.
Es klingt immer so, als müsste für Kinder mit Behinderungen extra ein Spielplatz gebaut werden. Das ist Quatsch. Inklusiv sind Spielflächen, auf denen alle spielen können und wo Begegnung stattfindet.
Können sie den gesundheitsförderlichen Nutzen inklusiver Spielflächen für die Schulgemeinschaft erläutern?
Es ist ein Ort von Bewegung und Begegnung, und das ist ja beides wichtig für eine gesunde Schulzeit. Begegnung ist der soziale Aspekt: Man schließt niemanden aus, sondern kommt ganz selbstverständlich zusammen. Da Schule mittlerweile nicht nur ein Lernort, sondern ein Lebensort ist, an dem Kinder und Lehrkräfte viel Zeit verbringen, ist das umso wichtiger.
Ähnlich wie beim Schulsport ist es zentral, dass gemeinsame Bewegung gefördert wird. Kinder sollten draußen sein, sich bewegen, motorisch herausgefordert werden und ihre Grenzen austesten. Warum sollte das einem Kind im Rollstuhl oder mit einer Sehbehinderung abgesprochen werden? Und wenn ein Spielbereich oder ein Schulhof es schafft, dass alle Kinder zusammen und sicher auf einer Fläche spielen können, macht es das auch für die Lehrkräfte einfacher.
Bei der Planung inklusiver Spielplätze am besten Erfahrungen einholen
Wie und wo können sich Verantwortliche der Schulen beziehungsweise der Kommunen zum Thema beraten lassen?
Wir als Aktion Mensch können zum Thema Planung nicht beraten, das machen eher die Landschaftsarchitektinnen und -architekten. Aber es gibt Handlungsempfehlungen auf unseren Seiten, die dabei helfen, erste Checklisten rund um Inklusivität zu erstellen. Um zu überprüfen, ob man an die zentralen Aspekte gedacht hat, ist das ein guter erster Schritt. Natürlich gibt es auch Anbieter, die sich auf inklusive Spielplätze spezialisiert haben.
Grundsätzlich würde ich empfehlen, neben den DIN-Normen immer auch im Blick zu haben, welche Angebote zu den Nutzerinnen und Nutzern passen. Es können zum Beispiel Menschen einbezogen werden, die selbst eine Behinderung haben. Eine gute Idee ist es auch, sich mit anderen Kommunen zu deren Erfahrungen auszutauschen.
- Spielbereiche und Pausenhöfe an Schulen müssen barrierefrei zugänglich sein
- Zudem muss es verschiedene Angebote geben, damit alle Kinder auf dem Schulhof spielen können – also Kinder mit und ohne Behinderungen bzw. Einschränkungen
- Wie diese Angebote konkret ausgestaltet werden, dazu gibt es keine festen Vorgaben; zentral sind unter anderem sichere Bewegungs- und Begegnungsflächen mit ausreichend breiten Wegen
- Wenn Spielplatzgeräte von Rollstuhlfahrenden genutzt werden sollen, müssen sie neben den allgemeinen sicherheitstechnischen Anforderungen an Spielplatzgeräte (→ Schaubild S. 13) weitere Kriterien erfüllen
- Vorgaben zur Barrierefreiheit bzw. Inklusivität von Spielbereichen liefern unter anderem die DIN 18034-1, die DIN/TS 18034-02 und die DIN 33942
Zum Weiterlesen:
Mehr Infos zu barrierefreien/barrierearmen Spielplätzen auf dem Portal „Sichere Schule“.
Wie werden Spielplätze sicher gestaltet und gewartet? Lesen Sie hier den pluspunkt-Beitrag zum Sicherheits-Einmaleins für Spielgeräte.