Selbstverteidigungsangebote: Was sollten Schulen beachten?
Die Angebote für Selbstverteidigungskurse an Schulen sind zahlreich, doch nicht immer werden sie den Anforderungen gerecht. Manchmal vermitteln sie sogar stereotype Rollenbilder oder gesundheitsgefährdende Techniken wie Beißen, Treten und Schlagen.
Autorin: Sabine Biskup
Bild: Selbstverteidigungsangebote für Schulen sollten im Vorfeld gründlich untersucht werden. © Krakenimages
Datum: 08.11.2023
Folgende Fragen sollten sich Schulen und Lehrkräfte daher bei der Auswahl eines Angebots stellen:
1. Passt das Angebot zu dem Erziehungs- und Präventionskonzept der Schule oder kann das Angebot ein Teil dieses Konzeptes werden?
2. Schätzt die zuständige Polizei das Angebot und den Anbieter positiv ein?
3. Werden die länderspezifischen Regelungen zum Schulsport eingehalten?
4. Wie beurteilt die Schulleitung die Eignung der durchführenden Personen und/oder Institutionen?
Folgende Fragen helfen bei der Einschätzung: Vermittelt das Angebot auch positive, deeskalierende und altersgerechte Handlungsalternativen sowie Methoden zur Entwicklung eines positiven Selbstbildes und einer angemessene Gefahreneinschätzung? Lernen die Schüler auch, Gefühle auszudrücken, in Worte zu fassen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken?
5. Realistische Ziele
Erscheinen die Ziele und Angebote des Anbieters unter den gegebenen Rahmenbedingungen (z.B. zur Verfügung stehende Zeit) realistisch?
Gibt es unrealistische „Werbeversprechen“ (wie „Kinder können sich gegen Übergriffe durch Erwachsene umfassend schützen“)?
6. Ausgewogenheit
Beinhaltet das Konzept eine Ausgewogenheit von Pädagogik und Technikvermittlung? Etwa auch Techniken, um auf Verletzung der eigenen Grenzen zu reagieren oder Möglichkeiten, um Erwachsene aufmerksam zu machen und Unterstützung einzuholen?
7. Zielgruppengerecht
Wird das Angebot den Bedürfnissen der Zielgruppe angepasst? Zum Beispiel sollten Grundschülern nicht Techniken vermittelt werden, die ihnen in der Notfallsituation mit einem Erwachsenen nicht weiterhelfen, weil sie z.B. körperlich unterlegen sind.